Dreiklang!
Liebe Gemeinde!
Ich möchte heute morgen über einen Dreiklang predigen.
Ein Dreiklang sind 3 Töne, die gleichzeitig gespielt werden.
Nun gibt es unterschiedliche Dreiklänge.
Manche von ihnen sind harmonisch und manche disharmonisch.
Ich habe natürlich einen harmonischen Dreiklang rausgesucht.
Wir finden ihn in Eph. 4,32:
„Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.“ Eph. 4,32
In diesem Vers geht um 3 grundlegende Verhaltensweisen, die eine Gemeinschaft ausmachen.
Dieser Dreiklang ist sehr wichtig für eine Ehe, für eine Familie und ganz besonders für eine christliche Gemeinde:
1) Seid freundlich!
2) Seid herzlich!
3) Vergebt einander!
1) Seid freundlich zueinander!
Das Wort für „freundlich“ kann man auch mit „gütig oder liebreich“ übersetzen.
Das hat viel damit zu tun, wie man miteinander redet und umgeht.
Die Ausstrahlung eines Menschen ist es, die wir am Meisten wahrnehmen.
Und dazu gehört der Gesichtsausdruck, die Stimme und die Körperhaltung.
Stellt euch vor, ich begrüße euch heute morgen folgendermaßen:
“Hallo. Schön euch zu sehen” (gleichgültige Stimme).
Oder:
Ein Mann ruft seine Frau extra aus der Firma an, weil er sich freut, dass er 'ne Stunde früher nach Hause kommt.
Und die Frau antwortet nur gleichgültig: “Ok, dann weiß ich Bescheid.” und legt auf.
In einem Lied heißt es:
“Wie wir miteinander reden,
wie wir uns dabei begegnen,
soll die Liebe wiederspiegeln,
die uns Gott zum Leben schenkt...”
Freundlich zueinander zu sein, heißt auch, fair miteinander umzugehen!
Es wird immer Bereiche geben – in einer Beziehung und in einer Gemeinschaft, in denen man sich - zumindest am Anfang - nicht einig ist.
In solchen Fällen sollte man immer bemüht sein, einen Kompromiß zu finden.
Beim Bemühen, einen Kompromiß zu finden, haben sich schon viele Paare und Gemeinschaften derart verletzt, daß sie sich tagelang aus dem Weg gingen.
Ich möchte das mit einen Fußballspiel vergleichen:
Man kann mit fairen Mitteln versuchen, dem Gegner den Ball abzujagen, aber man kann ihn auch foulen.
Es erfordert mehr Mühe, fair zu spielen als unfair zu sein.
Manchmal muß man um einen Kompromiß ringen und das erfordert Zeit und Mühe!
Aber lasst uns in unserem Umgang miteinander bewußt darauf verzichten, unfair zu sein.
Lasst uns bewußt auf Sticheleien, Ironie, usw. Verzichten.
Einige Verse vorher, in V. 29 lesen wir:
„Kein faules Wort komme aus eurem Mund, sondern redet, was gut ist, was aufbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören.“ (LU)
“Redet auch nicht schlecht voneinander. Was ihr sagt, soll für jeden gut und hilfreich sein, eine Wohltat für alle.” (HfA)
2. Teil des Dreiklangs: Seid herzlich miteinander!
wörtlich: „mit guten Eingeweiden“
Das heißt ein Mensch, der ein Herz im Leib hat; der Gefühlen gegenüber offen ist.
Es ist das gleiche Wort wie „barmherzig sein“ oder „Mitleid haben“.
ILLUSTRATION:
Von dem elsässischen Pfarrer Oberlin wird erzählt, er habe über seinem Schreibtisch ein Bild hängen gehabt, das von rechts bläulich und von links rötlich schimmerte.
Kam nun ein Brautpaar zu ihm, um über die Trauung zu reden, dann ließ er den Bräutigam das Bild von rechts betrachten und die Braut von links.
Dann fragte er die beiden, welche Farbtönung das Bild habe und die Antwort fiel natürlich unterschiedlich aus.
Dann sagte Oberlin: „Wechselt nun die Plätze!“
Und wenn das geschehen war, stellte er noch einmal die gleiche Frage und erhielt darauf von jedem der Brautleute die entgegen-gesetzte Antwort.
Daran knüpfte er die Lehre: „Wenn ihr ‘mal in eurer Ehe eine Meinungsverschiedenheit oder einen Streit habt, so tut dasselbe, was ich euch vorhin vor dem Bild geraten habe.
Wechselt die Plätze, stellt euch in Gedanken auf die andere Seite, versetzt euch in seine Lage und beurteilt von hier aus das, worüber ihr gestritten habt.“
Und was für Ehepaare gilt, gilt genauso für jede Gemeinschaft:
Jedes Ding hat mindestens 2 Seiten.
Normalerweise sehen wir nur eine und schon ist unser Urteil fertig.
Diese Einseitigkeit schafft Spannungen, Streit und verhärtet die Herzen.
Versucht euch, in die Lage des anderen zu versetzen!
Versucht, die Sache durch die Brille des anderen zu betrachten!
In Wirklichkeit würde es bei Annette und mir nicht funktionieren, weil ich durch Annettes Brille immer verschwommen sehe, da meine Brille viel stärker ist.
Aber im übertragenen Sinne funktioniert es immer, wenn ich – bevor ich meinen Standpunkt vehement vertrete – mich in ihre Lage versetze.
Und mit dem richtigen Maß an Verständnis kann ich ihr meinen Standpunkt erklären und entweder sie akzeptiert ihn oder wir ringen in einer guten Atmosphäre um einen guten Kompromiß!
Das erfordert Selbstverleugnung und Liebe.
Wir müssen herunter vom Sockel unserer Selbstgerechtigkeit.
Denn Richten ist lieblos und macht selbstherrlich.
„Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.Denn nach welchem Recht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, werdet ihr gemessen werden.“ Mt. 7,1+2
3. Teil des Dreiklangs: Vergebt einer dem anderen!
Ohne Vergebung kann kein Mensch dauerhaft mit einem anderen zusammenleben.
Das Wesen der Vergebung ist:
Den anderen so zu stellen, als wenn die Sache niemals geschehen wäre.
Vergeben schließt auch vergessen mit ein.
Vergeben heißt, dem anderen nicht dauernd auftischen, was damals geschehen ist!
Und wenn mein Partner, Bruder oder Schwester mich um Vergebung gebeten hat, muss ich auch vergessen wollen!
ILLUSTRATION:
Vor Jahren besuchte ein Ehepaar einen Seelsorger.
Sie waren 15 Jahre verheiratet.
Es waren 15 Jahre eines ehelichen Ping-Pongs.
Jedesmal, wenn er pingte, pongte sie und umgekehrt.
Offensives und defensives Spiel wechselten sich ab.
Als sie langsam und schmerzlich in der Seelsorge vorankamen, stellte sich die schreckliche Enttäuschung, die seelischen Wunden und die echte Verbitterung heraus, unter denen sie beide litten.
Sie hatte ihn geheiratet, weil er eine geistliche Führerpersönlichkeit zu sein schien, diszipliniert, entschlossen und strebsam.
Man kann sich ihr Entsetzen vorstellen, als sich herausstellte, dass er unentschlossen und undiszipliniert, faul und nachlässig war.
In ihrem Zorn würgte sie ihn wie der Knecht in dem Gleichnis und sagte: „Du hast mich betrogen.
Du schuldest mir all das, was ich von dir erwartet habe, als ich heiratete.“
Sie betrachtete ihn als einen Menschen, der ihr gegenüber verschuldet war.
15 Jahre lang hatte sie an ihm herumgenörgelt: „Bezahle mir, was du mir schuldig bist.“
Er hatte sie geheiratet, weil sie gut aussah, hübsch und ordentlich war.
Man kann sich seine schreckliche Enttäuschung vorstellen, als er entdeckte, dass sie ihre Hausarbeit schlampig erledigte, dass sie ihre Haare, ihre Kleidung und ihr ganzes Äußeres vernachlässigte.
Er meinte, sie hätte ihn hereingelegt.
„Du schuldest mir diese Dinge, die dich auszeichneten, als ich um dich warb.“
Und so würgte er sie, sagte mit Spott und bissigen Bemerkungen:
„Bezahle, was du mir schuldig bist.
Du hast deinen Schuldschein nicht eingelöst.“
Beide hatten 15 Jahre lang darauf gewartet, dass sich der andere änderte.
Wie tragisch ist es doch oft um die zwischenmenschlichen Beziehungen unter gläubigen Christen bestellt!
Wir sind Schuldeneintreiber, weil wir nicht erfasst/begriffen haben, dass unsere Schulden völlig ausgelöscht sind, dass Gott am Kreuz von Golgatha den Schuldschein bereits zerrissen hat.
Liebe Gemeinde: Vergebt einander!
„Lass die Sonne nicht,
lass die Sonne nicht untergehn,
ehe du verzeihst“ heisst es in einem Lied.
Das heißt, spätestens am Ende des Tages sollte man sich gegenseitig vergeben
Aber warte mit dem Vergeben nicht erst bis zum Abend.
Sondern versuche die Sache so schnell wie möglich wieder in Ordnung zu bringen!
Es gibt Menschen, die reden nach einem Streit tagelang nicht miteinander.
Und das auch noch mit der Ausrede:
“Ich brauch eben so lang, bis ich mich beruhigt habe!”
Oder:
“Soll der andere doch zu mir kommen und nicht immer ich zu ihm!”
Wenn das öfters so geht – in einer Freundschaft, oder Ehe oder einer anderen Beziehung, kann es auch mal schnell zu spät sein!
Wenn der andere zum Beispiel verunglückt oder plötzlich für längere Zeit weg muss!
Dann wird sich derjenige, der nicht reden wollte, vielleicht für immer Vorwürfe machen, weil er oder sie sich nicht mehr versöhnen kann!
Lass nicht zu, dass sich Ärger in Dir aufstaut!
Aus Ärger kann schnell Zorn werden, der dann irgendwann explodiert.
„Seid ihr zornig, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen.” Eph. 4,26 (LU)
“Wenn ihr zornig seid, dann macht es nicht noch schlimmer, indem ihr unversöhnlich bleibt. Lasst die Sonne nicht untergehen, ohne dass ihr euch vergeben habt.” Eph. 4,26 (HfA)
Als Kinder Gottes sind wir fähig, anderen zu vergeben!
Warum?
Weil Christus uns unsere Lebensschuld vergeben hat und wir Ihn immer wieder um Vergebung bitten dürfen!
Um ein Leben lang treu diesen Dreiklang zu spielen:
1) freundlich zu sein,
2) herzlich zu sein und
3) einander aufrichtig zu vergeben, reicht die menschliche Liebe nicht aus.
Dazu muss Gottes Liebe, griechisch “Agape”, in unser Herz ausgegossen sein, wie es in Rö. 5,5 steht.
Diese Liebe kann man sich nicht erkaufen oder verdienen, die kann man sich nur schenken lassen.
Und wenn sie einen dann erfüllt, darf man sie nicht aufhalten, damit sie auch zu anderen fließen kann.
Lasst uns gemeinsam üben, diese Liebe niemals aufzuhalten – weder durch Stolz noch durch Sturheit!
Ich bin ein Mensch, der Harmonien liebt.
Manchmal höre ich auch gern schräge Töne, aber was mich am Meisten begeistert, sind Harmonien.
Wenn wir nur freundlich, oder nur herzlich oder nur vergeben, dann klingt das schön aber eintönig.
Es ist irgendwie unvollständig.
Und Menschen ohne Jesus können die einzelnen Töne auch spielen – zumindest eine Zeit lang.
Aber um einen tollen, begeisternden und harmonischen Dreiklang zu spielen, dazu brauchen wir die Liebe Gottes und die Hilfe der Gemeinschaft!
Wir brauchen die Freundlichkeit, die Herzlichkeit und die Vergebung der Geschwister, um selbst diesen Dreiklang zu spielen.
Möge Gott unsere Harmonie als Gemeinde immer mehr verbessern und vermehren!
AMEN
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Predigt
Predigt vom 21. Februar 10