Die Zunge
Ich möchte zuerst einmal allen ganz herzlich danken, die zum Gelingen der Gemeindefreizeit beigetragen haben!
Gott möge euch dafür reich belohnen!
Auf der Gemeindefreizeit sind ja einige Defizite ans Licht gekommen, die wie “Sand im Getriebe” unserer Gemeinde sind und echte Gemeinschaft verhindern.
Diese Mangelerscheinungen werde ich in meinen Predigten bearbeiten und wir als Vorstand werden einige Maßnahmen ergreifen, um sie zu beheben.
Eine dieser Maßnahmen wurde schon an der Gemeindefreizeit vorgeschlagen, und zwar der “Kummerkasten” oder positiv ausgedrückt: der “Ideenkasten”.
Annette hat ihn für uns hergestellt und hinten auf den Infotisch gestellt.
Wenn Du also etwas auf dem Herzen hast und kannst es besser schriftlich ausdrücken oder möchtest, dass es anonym bleibt, dann schreib es bitte auf einen Zettel und wirf es in den Ideenkasten.
Der Ideenkasten wird jedes Mal nach dem Gottesdienst von mir geleert und die Anregungen am selben Tag oder in der darauffolgenden Zeit bearbeitet.
Eine Mangelerscheinung, die von euch mit einer hohen Dringlichkeitsstufe bewertet wurde, war “Klatsch und Tratsch” und “mangelnde Kommunikation”.
Der Ideenkasten ist eine Maßnahme, um die Kommunikation zu verbessern.
Eine andere Maßnahme sind Predigten über den richtigen Gebrauch unserer Zunge.
Deswegen möchte ich heute mit einem grundlegenden Bibelabschnitt über unser Sprechwerkzeug beginnen:
Aber zuvor möchte ich eine wahre Geschichte erzählen:
ILLUSTRATION:
Spurgeon war im letzten Jahrhundert Prediger und Seelsorger in einer großen Baptistenkirche in London.
Er hatte in seiner Gemeinde eine Frau, die durch ihre Geschwätzigkeit und Kritiksucht viel Unheil anrichtete.
Eines Tages kam sie zu Spurgeon und verlangte von ihm eine Schere.
“Herr Prediger”, sagte sie resolut, “Ihre Krawatte ist zu lang, es gehört sich für einen Geistlichen nicht, einen so auffälligen Schlips zu tragen.
Darf ich abschneiden, was zu lang ist?”
“Natürlich dürfen Sie das”, antwortete Spurgeon und ließ es ruhig geschehen, dass ihm die Unverschämte keck ein Stück von seiner Krawatte abschnitt.
Dann aber sagte er:
“Und nun, liebe Frau Soundso, da jetzt meine Halsbinde aufs richtige Maß zugeschnitten ist, darf ich nun auch bei Ihnen abschneiden, was zu lang ist?”
Die Vorwitzige konnte wohl oder übel nicht anders, als “Ja” sagen.
“So geben Sie mir bitte einmal die Schere und dann strecken Sie ihre Zunge heraus.
Sie ist nämlich viel zu lang!”
Aber damit ihr jetzt nicht meint, dass dieses Problem nur Frauen betrifft, möchte ich jetzt den Text aus der Bibel vorlesen.
Gottes Wort meint uns alle!
Die Zunge – Jakobus 3,1-12
“Liebe Brüder (und Schwestern)! Es sollten sich nicht so viele in der Gemeinde danach drängen, andere belehren zu wollen. Denkt vielmehr daran, dass alle, die Gottes Wort lehren, von ihm nach besonders strengen Maßstäben beurteilt werden.
Und haben wir nicht alle unsere Fehler? Wem es freilich gelingt, immer die richtigen Worte zu finden, den kann man als vollkommen bezeichnen. Denn wer seine Zunge beherrscht, der kann auch seinen ganzen Körper beherrschen.
So legen wir zum Beispiel den Pferden das Zaumzeug ins Maul und beherrschen sie damit.
Und selbst die großen Schiffe, die nur von starken Winden vorangetrieben werden können, lenkt der Steuermann mit einem kleinen Ruder, wohin er will.
Genauso ist es mit unserer Zunge. So klein sie auch ist, was kann sie nicht alles anrichten! Ein kleiner Funke setzt einen ganzen Wald in Brand.
Mit einem solchen Feuer lässt sich auch die Zunge vergleichen. Sie kann eine ganze Welt voller Ungerechtigkeit und Bosheit sein, die uns und unser Leben vergiftet. Es gibt nichts und niemand, der vor ihrem Höllenfeuer sicher wäre.
Die Menschen haben es gelernt, wilde Tiere, Vögel, Schlangen und Fische zu zähmen und unter ihre Gewalt zu bringen. Aber seine Zunge kann kein Mensch zähmen. Ungebändigt und unkontrolliert verbreitet sie ihr tödliches Gift.
Mit unserer Zunge loben wir Gott, unseren Herrn und Vater, und mit derselben Zunge verfluchen wir unsere Mitmenschen, die doch nach Gottes Ebenbild geschaffen sind.
Segen und Fluch kommen aus ein und demselben Mund. Aber genau das, meine lieben Brüder, darf es bei euch nicht geben!
Fließt denn aus einer Quelle gleichzeitig frisches und ungenießbares Wasser?
Kann man Oliven von Feigenbäumen pflücken oder Feigen vom Weinstock? Ebensowenig kann man aus einem stinkenden Tümpel frisches Wasser schöpfen.”
Wow!
Habt ihr gewusst, dass das so deutlich in der Bibel steht?
Und wenn das schon so in der Bibel steht, dann ist das nicht nur ein Problem in der heutigen Zeit, sondern war schon vor 2000 Jahren so!
Die Menschheit ändert sich nicht, aber jeder einzelne Mensch kann sich ändern.
Und dazu fordert Gott uns ja auch mit vielen Bildern in diesem Text auf.
Fangen wir doch von vorne an:
“Liebe Brüder (und Schwestern)! Es sollten sich nicht so viele in der Gemeinde danach drängen, andere belehren zu wollen. Denkt vielmehr daran, dass alle, die Gottes Wort lehren, von ihm nach besonders strengen Maßstäben beurteilt werden.
Vor einigen Wochen habe ich darüber gepredigt, dass Gott unter anderem einigen von uns die Gabe des Lehrens gegeben hat.
Diejenigen sollten diese auch nutzen, um anderen zu helfen, im Glauben zu wachsen.
Da gibt es aber auch Menschen, die charakterlich dazu veranlagt sind, andere ständig zu belehren, weil sie grundsätzlich meinen, sie wüssten alles besser!
Das ist keine Gabe Gottes!
Wenn schon die geistlichen Lehrer in der Gemeinde von Gott nach besonders strengen Maßstäben beurteilt werden, was wird er wohl dann zu denen sagen, die meinen, ständig andere belehren zu müssen.
Diese Menschen sollten vielmehr zuerst einmal darauf achten, eins ihrer wichtigsten Werkzeuge in den Griff zu bekommen – die Zunge!
Es heißt nämlich weiter im Text:
Denn wer seine Zunge beherrscht, der kann auch seinen ganzen Körper beherrschen.
So legen wir zum Beispiel den Pferden das Zaumzeug ins Maul und beherrschen sie damit.
Und selbst die großen Schiffe, die nur von starken Winden vorangetrieben werden können, lenkt der Steuermann mit einem kleinen Ruder, wohin er will.
Diese Beispiele sind so treffend, dass man es besser gar nicht ausdrücken kann.
Und das ist auch so:
Du kannst körperlich total fit sein und auch sonst einen selbstbeherrschten Eindruck machen.
Wenn Du aber deine Zunge nicht beherrschen kannst, dann nützt Dir das alles nichts!
Weder vor Menschen noch vor Gott.
Jetzt denkst Du vielleicht:
“Na ja, wem rutscht nicht mal hier und da ein falsches Wort heraus?”
Hier eine grundsätzliche Warnung an alle:
Wir sollten die Macht der Worte niemals unterschätzen!
Weder die der positiven, noch die der negativen!
Es heißt nämlich weiter:
Genauso ist es mit unserer Zunge. So klein sie auch ist, was kann sie nicht alles anrichten! Ein kleiner Funke setzt einen ganzen Wald in Brand.
Mit einem solchen Feuer lässt sich auch die Zunge vergleichen. Sie kann eine ganze Welt voller Ungerechtigkeit und Bosheit sein, die uns und unser Leben vergiftet. Es gibt nichts und niemand, der vor ihrem Höllenfeuer sicher wäre.
Die Menschen haben es gelernt, wilde Tiere, Vögel, Schlangen und Fische zu zähmen und unter ihre Gewalt zu bringen. Aber seine Zunge kann kein Mensch zähmen. Ungebändigt und unkontrolliert verbreitet sie ihr tödliches Gift.
ILLUSTRATION:
Ein älterer Herr wurde einmal gebeten, mit einem jungen Mann aus seiner Gemeinde zu sprechen, der seinen Chef bestohlen hatte und deshalb im Gefängnis saß.
“Es scheint mir, ich habe Sie irgendwo schon gesehen”, sagte der alte Mann zu dem jungen.
“Ja, sicher”, antwortete der Gefangene, “es sind seitdem zwar schon fast 10 Jahre vergangen, aber es kommt mir vor, als wäre es gestern.
So gut erinnere ich noch an die Begegnung mit Ihnen.
Sie sind nämlich mitverantwortlich, dass ich hier sitze.”
“Wieso das?” fragte der alte Mann überrascht.
“Ich habe Ihnen doch in meinem ganzen Leben nicht das geringste Unrecht getan!”
“Das haben Sie nicht mit Absicht getan, aber damals ging ich mit meinem Vater von einer Evangelisationsveranstaltung nach Hause.
Da trafen wir mit Ihnen auf dem Weg zusammen.
Ich war völlig ergriffen von der Predigt und beabsichtigte, zum Prediger zu gehen, um ihm mein Herz auszuschütten.
Ich hörte Sie aber den Prediger lächerlich machen, als wäre er ungebildet und könne nicht richtig predigen.
Dadurch empfand ich plötzlich eine starke Abneigung gegen die Predigt.
Von da an versuchte ich nicht mehr, mein Leben mit Jesus in Ordnung zu bringen.
Mit der Zeit geriet ich in schlechte Gesellschaft und das endete jetzt mit dem Gefängnis.”
Oft merken wir gar nicht, was wir anrichten, wenn wir abfällige Bemerkungen über andere machen.
Im Text ist sogar von tödlichem Gift und Höllenfeuer die Rede.
Allein an diesen beiden Begriffen merkt man schon, wer uns innerlich dazu anstachelt, solche Worte von uns zu geben!
Der Heilige Geist in uns ist es auf jeden Fall nicht!
Und an dieser Stelle wird auch klar, dass – auch wenn wir Christen sind – doch beide Naturen in uns gegeneinander kämpfen.
Es heißt weiter im Predigtext:
Mit unserer Zunge loben wir Gott, unseren Herrn und Vater, und mit derselben Zunge verfluchen wir unsere Mitmenschen, die doch nach Gottes Ebenbild geschaffen sind.
Segen und Fluch kommen aus ein und demselben Mund. Aber genau das, meine lieben Brüder, darf es bei euch nicht geben!
Fließt denn aus einer Quelle gleichzeitig frisches und ungenießbares Wasser?
Kann man Oliven von Feigenbäumen pflücken oder Feigen vom Weinstock? Ebensowenig kann man aus einem stinkenden Tümpel frisches Wasser schöpfen.”
Aber auch wenn in jedem von uns dieser Kampf immer wieder tobt und wir darunter leiden, so bestimmen letztendlich wir, wer von beiden siegen wird!
Vielleicht tausendmal am Tag!
Nachdem uns jetzt allen klar ist, welche Auswirkung Tratsch haben kann, möchte ich jetzt noch erklären, was Tratsch ist und was es nicht ist:
Tratsch ist, wenn man Dinge über andere erzählt, die das Ansehen und den guten Ruf des anderen schädigen oder kaputt machen.
Das kommt meistens aus einer einzigen Motivation:
Wir wollen den anderen schlecht machen, damit wir selbst besser dastehen!
Oder wir finden uns von vorneherein besser, schlauer, schöner, usw., als andere.
Da fallen dann zum Beispiel so Sätze, wie:
“So etwas würde mir nie passieren!”
oder
“So blöd, wie der oder die war ich noch nie!”
Aber noch viel wichtiger ist, dass wir den echten Tratsch von dem unterscheiden, was Tratsch nicht ist.
Da ist zum Beispiel jemand in der Gemeinde, der uns innerlich mit seinem Verhalten regelmäßig auf die Palme bringt.
Wir haben es ihm oder ihr auch schon einmal oder öfters gesagt.
Aber diese Person lässt sich nichts sagen.
Völlig frustriert gehen wir zu einer Person unseres Vertrauens, lassen Dampf ab und bitten sie, uns zu helfen.
Das ist zum Beispiel kein Tratsch, denn es hat ja das Ziel, das Problem aus der Welt zu schaffen und nicht den Menschen schlecht zu machen.
Obwohl derjenige natürlich nicht gut dasteht, aber solche Dinge kommen vor und müssen beseitigt werden.
Ein anderes Beispiel ist, wenn man sich bei einer 3. Person über einen Menschen informiert, um einschätzen zu können, ob man ihm vertrauen kann oder nicht, dann ist das auch kein Tratsch!
Das bedeutet: Wir dürfen – und müssen sogar manchmal – Menschen beurteilen, aber wir dürfen sie nicht verurteilen!
Der 2. Vers aus unserem Text sagt auch:
Und haben wir nicht alle unsere Fehler? Wem es freilich gelingt, immer die richtigen Worte zu finden, den kann man als vollkommen bezeichnen.
Diesen vollkommenen oder perfekten Menschen gibt es leider nicht.
Aber wenn wir uns jetzt nur mit dieser Tatsache abfinden, dann können wir die ganze Predigt und auch den ganzen Bibeltext vergessen.
Das mit der Vollkommenheit in Vers 2 ist eine rhetorische Aussage, aus der zwangsläufig die Antwort folgen muss:
“Ich will mich immer mit ganzem Herzen dafür einsetzen, die richtigen Worte zu finden”.
Die Sprüche sind voll vom Lob über den richtigen Gebrauch der Zunge.
Zum Beispiel:
“Jeder freut sich, wenn er treffend zu antworten weiß – wie gut tut ein wahres Wort zur rechten Zeit.” Spr. 15,23
“Eine richtige Antwort ist wie ein lieblicher Kuß.” Spr. 24,26
Wichtig ist für heute:
1) Dass uns klar ist, welche Wirkung unsere Zunge hat.
2) Dass wir unterscheiden, was Tratsch ist und was Tratsch nicht ist.
3) Dass wir uns jederzeit mit ganzem Herzen dafür einsetzen, die richtigen Worte zu finden.
Gottes Geist möge uns dabei helfen!
AMEN
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Predigt
Predigt vom 20. Juni 10